Er hat unzähligen Alben mehr als nur den letzten Feinschliff verliehen, ist auf vielen Werken über seinen Produzentenjob hinaus als Gast- und Ghost-Musiker zu hören und zeigt sich zu einem großen Teil maßgeblich für die Erfolge von Bands wie Rhapsody, Kamelot, Epica, Angra und einige mehr mitverantwortlich. Die Rede ist von Avantasia-Gitarrist und Produzent SASCHA PAETH. Einer der Höhepunkte seines Schaffens war zweifelsohne die Produktion des jüngsten Avantasia-Albums "The Scarecrow", die vom Verband Deutscher Tonmeister zur "Rockproduktion 2008" gewählt wurde. Selbst Alice Cooper war sprachlos ob der grandiosen Produktion des jüngsten Avantasia-Outputs.
Tobiassammet.com: Ihr seid derzeit am letzten Feinschliff für das nächste Avantasia-Werk. Wo wird die Reise diesmal stilistisch hingehen?
Sascha Paeth: Ach na ja, wir machen die Songs einfach so, wie sie unserer Meinung nach am besten funktionieren. Dazu muss man manchmal das Szene-Korsett etwas lockerer binden oder gar ablegen. Wie ich finde ist das das einzig richtige um sich selbst in seiner Kreativität voranzubringen. Und obendrein macht die Sache so auch noch mehr Spaß. Bei der kommenden Avantasia-Sache handelt es sich einfach um eine coole Story, die in Songs gepackt wurde, die durchaus mal zur einen oder anderen Seite ausbrechen, die allerdings natürlich trotzdem als Metal oder Hardrock bezeichnet werden können. Macht Spaß!
Tobiassammet.com: Wie gestaltet sich denn die Arbeit mit Tobi?
Sascha Paeth: Großartig, er mischt sich wenigstens nicht so in meine Sachen ein, haha! Nein, im Ernst: Die Arbeit mit ihm gestaltet sich wirklich unkompliziert. Ich habe viele Freiheiten an den Songs zu arbeiten. Er pfeift mich nur zurück wenn ich zu sehr ausflippe. Man bekommt ja auch nicht alle Tage so eine Spielwiese zum Austoben zur Verfügung gestellt. Ich glaube wir bekommen es wirklich gut hin uns gegenseitig die Bälle zuzuspielen, und wir sind beide sehr offen und nicht so eingefahren. Manche Leute meinen deswegen vielleicht wir sind "untrue" oder was es auch heutzutage sonst für seltsame Begriffe gibt, ich finde wir sind einfach zwei Musiker die noch gewissen Werten nacheifern und nicht versuchen auf jeden Zug aufzuspringen.
Tobiassammet.com: Das letzte Avantasia-Album klang erdiger als die beiden Erstlingswerke, allerdings stieß das in der Szene nicht nur auf Gegenliebe. Was geht in einem Produzenten vor, wenn der eigenen Arbeit Abneigung entgegenschlägt?
Sascha Paeth: Die Geschmäcker sind verschieden und man kann es sowieso nicht allen recht machen. Insofern ist es wichtig, dass man das tut was einem selbst und natürlich auch der Band oder dem Künstler gefällt. Über manche Journalisten oder auch Forenschreiber kann ich sowieso nur lachen und weinen. Lachen über die fachliche Inkompetenz und weinen über die menschliche. Ich mache die Produktionen so wie ich sie höre und wie ich es am besten kann. Das ist sicherlich nie perfekt, aber ich kann wenigstens behaupten dass ich alles gegeben habe. Wenn Tobi die Platte gern genauso gehabt hätte wie die ersten beiden Teile, hätte er sie sicherlich auch auf die gleiche Art und Weise durchgezogen. Ich finde übrigens dass die ersten
beiden Metal Opera Alben natürlich auch ihren Reiz haben, es sind nun aber mal 9 Jahre vergangen, was soll ich sagen?! Wenn "The Scarecrow" genauso geklungen hätte, dann hätten halt andere Leute gemeckert. Na toll. An CD-Kritiken habe ich schon länger kein Interesse mehr. Leider kann ich mich noch nicht mal mehr über gute Kritiken über CDs an denen ich mitgewirkt habe richtig freuen. Objektivität und Toleranz scheinen Fremdwörter in dieser Szene zu sein. Vielleicht geht es in der Kunst auch gar nicht um Kreativität und Liebe zur Sache, sondern doch nur um die größte Fresse? Wir alle wissen ja dass diese über mangelndes Können hinwegtäuschen kann, sollte dieses jedoch nicht vollends ersetzen. Den Schein vom Sein zu trennen gelingt leider immer weniger Leuten sodass ich mir doch Sorgen um die Zukunft der Musikszene machen muss. Viele Artikel und Kritiken strotzen nur so vor Neid unqualifizierter Profilneurotiker. Keine Ahnung wo das hinführen soll!
Tobiassammet.com: Edguy und Avantasia haben sich seit Hellfire Club extrem weiterentwickelt; wie viel Sascha Paeth steckt in dieser Weiterentwicklung? Und wo siehst Du die Unterschiede in Tobi, Avantasia und Edguy zwischen früher und heute? Stilistisch und qualitativ?
Sascha Paeth: Die positiven Veränderungen lagen natürlich in meiner Hand, falls es für manche auch negative gab: Dafür ist grundsätzlich immer die Band verantwortlich, haha! Nein, im Ernst sehe ich tatsächlich Veränderungen die eigentlich mehrere Gründe haben. Zum einen natürlich erstmal die natürliche Weiterentwicklung die "Gott sei Dank" so ziemlich jedem Künstler widerfährt und zum anderen ist da vielleicht auch die etwas andere Arbeitsweise und Ideen die ich mit eingebracht habe. Ich bin schon jemand der versucht das versteckte Verlangen nach Neuem aufzuspüren und zu fördern - wenn man mich lässt. Ich finde, dass sich Edguy, Avantasia und auch Tobi selbst sehr weiterentwickelt haben. Ich kann natürlich nur dazu inspirieren dass man an sich arbeitet und finde es cool, dass sich diese Musiker nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen, sondern auch wirklich versuchen nicht auf der Stelle zu treten. Das ist meines Erachtens eigentlich der Motor der die Musikszene am laufen hält, so sollte es sein. Würde es so etwas nicht geben, gäbe es z.B. auch gar keinen "Metal", das sollte man auf jeden Fall bedenken.
Tobiassammet.com: Was bedeutet Avantasia für Sascha Paeth?
Sascha Paeth: Ein Riesenhaufen Arbeit und Spass, viele begabte Künstler, auf Klassenfahrt die Welt sehen und: Freunde!


















